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Sonnenzeit und Hautkrebsrisiko


Natürlich ist der Sommer eine besonders schöne Jahreszeit, aber die intensive Sonnenstrahlung ist für unsere Haut gefährlich. Die Häufigkeit des malignen Melanoms ("schwarzer Hautkrebs") nimmt rasant zu. In Deutschland werden bei steigender Tendenz aktuell jährlich 2000 Neuerkrankungen gemeldet. Das Risiko, an schwarzem Hautkrebs zu erkranken, liegt bei einem 1935 Geborenen bei 1: 2500, für Menschen, die im Jahr 2000 geboren wurden, bereits bei 1:70!

Die Ursachen dieser spektakulären Entwicklung sind vielfältig. Die Entstehung eines malignen Melanoms wird von anlagebedingten (genetischen) und verhaltensbedingten Risikofaktoren beeinflußt. Bei der genetischen Disposition spielt neben bereits in der Familie aufgetretenen Melanomen z. B. die Anzahl der vorhandenen pigmentierten Hauttumore ("Muttermale") eine entscheidende Rolle. So steigt das Risiko, an einem malignen Melanom zu erkranken, bei einer Anzahl von über 100 Muttermalen deutlich an.

Bei den verhaltensbedingten, also mithin beeinflußbaren, Risikofaktoren steht die UV- Lichtexposition im Mittelpunkt. Die für die fotobiologischen Reaktionen an der Haut verantwortliche UV-Strahlung besteht aus den Wellenlängen UVA (95%), UVB (4%) und UVC (1%). Dieses physikalische Basiswissen ist insofern eminent wichtig, da Sonnencremes früher nur vor der kurzwelligen UVB- Strahlung, die für die sog. Sonnenbrände verantwortlich ist, geschützt haben. Diese weitgehende Vermeidung von Sonnenbränden führte aber zu einer Verlängerung der UVA- Exposition, die dann - neben der Hautalterung - hauptverantwortlich für die Entstehung von Hauttumoren ist.

Moderne Sonnenschutzmittel (Lichtschutzfaktor mindestens 25) bieten einen nachgewiesenen Schutz vor nichtpigmentierten Hauttumoren (z. B. weißer Hautkrebs), aber nur einen unzureichenden Schutz vor pigmentierten Hauttumoren (z. B. atypischer/ dysplastischer Naevus, malignes Melanom)! Daher ist, vor allem bei Kindern und Jugendlichen, die konsequente Verwendung von Sonnenschutzcreme und die konsequente Vermeidung der Sonnenexposition (z. B. protektive Kleidung) zu empfehlen. Auf einer internationalen Fachtagung im Mai 2006 in Zürich wurde außerdem festgestellt, daß Solarienbenutzer ein ca. 8fach erhöhtes Risiko aufweisen.

Die Überlebensrate eines Patienten zum Zeitpunkt der Diagnosestellung "malignes Melanom" ist von der Eindringtiefe des Tumors abhängig. So liegt die Wahrscheinlichkeit noch 10 Jahre zu leben, bei einer Eindringtiefe von weniger als 1mm bei 91%, bei einer Eindringtiefe von über 4mm dagegen nur noch bei 32%. Daher stellt die Diagnostik und regelmäßige Verlaufskontrolle bereits vorhandener bzw. neu entstehender pigmentierter Hauttumore neben der vorgenannten Prophylaxe eine zweite wichtige Komponente in der Hautkrebsvorsorge dar. Bei diesem "Hautkrebsscreening" wird heute die "computergestützte Auflichtmikroskopie mit digitaler Bilddokumentation" (FotoFinder) eingesetzt. Mit diesem Verfahren konnte die Diagnosesicherheit von 65% bei der herkömmlichen Auflichtmikroskopie auf über 95% gesteigert werden. Die aufwendige Methode bietet also eine hohe Sicherheit bei der Früherkennung von schwarzem Hautkrebs und sollte bei entsprechend gefährdeten Personen mindestens einmal pro Jahr durchgeführt werden. Nähere Informationen zum FotoFinder sind im Internet unter www.fotofinder.de zu erhalten.

Für die Patienten ist es natürlich besonders angenehm, wenn Diagnostik und Therapie, also die gesamte Behandlung, beim Plastischen Chirurgen in einer fachärztlichen Hand bleiben können.

Dres. med. Stephanie und Ralph-M. Kehrbein, München

(17. Oktober 2006)

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